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Deutschlands Bildungssystem ist wie seine Infrastruktur: alt und marode.

 

Damit auch zukünftige Generationen ihre Träume erfüllen können, müssen wir jetzt handeln. Dies fängt bereits damit an, nicht fortwährend eine Diskussion über das System selbst zu führen, denn sowohl Gesamtschule als auch zwei- bzw. dreigliedriges System können gut oder schlecht sein, entscheidend ist die Qualität. Um die Qualität zu erhöhen, sollten wir uns ein Beispiel an anderen Ländern nehmen, auch an solchen, in denen möglicherweise nicht alles ideal ist, aber vielleicht der eine oder andere Aspekt. Anschließend sollten wir diese Punkte an unsere Bedürfnisse anpassen. Zudem sollten wir auch deutlich mehr investieren, denn marode (Hoch-)Schulgebäude können wir uns in Deutschland einfach nicht leisten –  Kinder und Jugendliche sollen gerne in ihre jeweilige Bildungseinrichtung gehen.

Der Bildungserfolg fängt bereits im Kindergarten an, hier benötigen wir dringend mehr Erzieher und mehr Plätze, aber auch eine größere Flexibilität im Hinblick auf die Öffnungszeiten dieser Einrichtungen. Für eine gute Vorbereitung auf die Grundschule sollten wir auch hier schon Sorge tragen, indem wir ein verpflichtendes Vorschuljahr einführen, denn der Mensch lernt erwiesenermaßen mehr und schneller, wenn er jünger ist. Gleichzeitig sollten wir Erzieher und Kinderpfleger besser und umfangreicher ausbilden, ihre Arbeit besser vergüten und den Beruf dadurch attraktiver machen. Es sollte ferner selbstverständlich sein, dass wir Erziehern und Kinderpflegern die Anerkennung geben, die sie verdient haben, denn sie kümmern sich täglich um unseren Nachwuchs – unsere Zukunft.

Auf den Kindergarten folgt die Grundschule. Hier könnte man lange darüber diskutieren, ob vier, sechs oder sogar – wie beispielsweise in Estland – neun Jahre Grundschule am besten sind, allerdings wird auch dies für meine Begriffe den Bildungserfolg nicht maßgeblich beeinträchtigen, denn die unterschiedlichen Systeme erzielen jeweils sowohl Erfolge als auch Misserfolge. Stattdessen sollten wir uns mehr auf inhaltliche Aspekte fokussieren und bereits in der ersten Klasse auch Englisch unterrichten, denn nach wie vor ist Englisch Weltsprache und je früher man eine Sprache lernt, desto besser wird man diese später beherrschen.

Im Anschluss an die Grundschule besuchen unsere Kinder die weiterführende Schule. An dieser Stelle spalten sich die Geister – wenige Themen werden so kontrovers diskutiert, wie der Aufbau dieses Ausbildungsbereichs: G8 oder G9? Gesamtschule oder lieber doch Hauptschule, Realschule und Gymnasium? Mein Vorschlag zu G8 und G9: Lassen wir das doch einfach Schulen, Schüler und Eltern entscheiden! Gleiches gilt in meinen Augen für die Frage, ob ein Kind auf dem Gymnasium, der Realschule oder der Gesamtschule am besten aufgehoben ist – wieso sollten wir alles genau vorgeben?

Letztlich werden sich die erfolgreichsten Schulen durchsetzen und da ist die Form dieser sekundär. Dafür aber ist es sehr wohl relevant, wie gut die Schulleitung und auch die Lehrer sind, denn Eltern werden bei der Wahl der weiterführenden Schule darauf Wert legen, dass ihre Kinder in guten Händen sind. Dies hat zur Folge, dass unsere Pädagogen besser ausgebildet werden müssen, aber auch die Berufe selbst attraktiver werden. Nur so können wir die Geeignetsten für die Lehre gewinnen, nämlich solche, die ihren Beruf mit Leidenschaft und Hingabe ausführen, die sich wahrlich „berufen“ fühlen. Da wir es uns unter keinen Umständen leisten können, schlechte oder unmotivierte Pädagogen auf unsere Schüler „loszulassen“, sollten wir meiner Meinung nach Abstand nehmen von der Verbeamtung der Lehrkräfte nach nur wenigen Jahren Berufstätigkeit. Sicher kann man über dieses Thema sprechen, wenn es sich um Lehrer mit langjähriger Berufserfahrung handelt; eine frühzeitige Verbeamtung birgt jedoch auch gewisse Risiken im Hinblick auf die Qualität der geleisteten Arbeit – und ich denke, bei einem solch essentiellen Thema wie der Bildung dürfen wir hier keine Abstriche hinnehmen.

Gleichzeitig benötigen Schulleitungen große Autonomie, um ihre Schulen zu den besten des Landes zu machen, wobei Schulen in Vierteln mit großen sozialen Problemen besonders gefördert werden sollten, damit diese sozioökonomischen Nachteile aufgebrochen werden können.

Außerdem müssen Schulen und auch Lehrer deutschlandweit vergleichbar werden. Dies ist nur möglich mit, indem wir Vergleichstests einführen, deren Ergebnisse Schulleitungen, Eltern und Schüler einsehen können. Erstere, um zu kontrollieren, ob die dort angestellten Lehrkräfte den von der Schule vorgegebenen Ansprüchen genügen; und Eltern und Schüler zur Überprüfung, ob eine Schule denn tatsächlich so gut ist, wie sie vorgibt zu sein.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Thema Hochschulen: Führt einen Zulassungstest ein, den jeder Bewerber ablegen muss – ähnlich den SATs und ACTs in den USA, oder wie er beispielsweise bei diversen Hochschulen im Ausland oder einigen Privathochschulen in Deutschland verlangt wird. Fachhochschulen sollten außerdem höhere Anerkennung genießen und ausgebaut werden, denn sie sind dafür gedacht, Studenten gezielt auf das Berufsleben vorzubereiten, während Universitäten ihren Fokus auf die Arbeit in der Forschung legen. Das sieht man auch daran, wie die Arbeitsweise an den beiden Hochschultypen ist: Die einen haben einen hohen Praxisbezug, die anderen einen sehr theoretischen Zugang. Beides ist notwendig und hat seine jeweilige Berechtigung, dementsprechend sollten beide Institutionen auch gleichwertig behandelt werden. Eine Abstufung oder Herabsetzung von Fachhochschulen gegenüber Universitäten ist meiner Meinung nach nicht förderlich.

Zusammengefasst heißt das, unser Bildungssystem muss besser werden, von der Kita bis zur Berufs- oder (Fach-)Hochschule, damit zukünftige Generationen ein erfülltes Leben haben können.

von Hagen Fietz